von Schindlbeck Anke
Deutsch-französische Freundschaft hautnah erleben – Realschule Regenstauf unterwegs im Elsass
Tina Dallmeir, Simone Sperl
Niederbronn-les-Bains/Regenstauf
Internationale Begegnung statt Klassenzimmer: Eine besondere interkulturelle Erfahrung machten 22 Neuntklässler der Realschule Regenstauf bei einer deutsch-französischen Drittortbegegnung im elsässischen Niederbronn-les-Bains. Dort verbrachten sie im März fünf Tage zusammen mit einer französischen Schülergruppe der Collèges in Vérac und Marsas aus der Nähe von Bordeaux. Begleitet wurden die Schülerinnen der Klassen 9E sowie des Talentzweigs 9AC von ihren Lehrkräften Frau Sperl und Frau Dallmeir, die das Treffen gemeinsam mit der französischen Lehrerin Madame Borsenberger organisiert hatten.
Bereits im Vorfeld war über mehrere Monate hinweg Kontakt aufgebaut worden: In kleinen digitalen Projekten tauschten sich die Jugendlichen über Podcasts zu Weihnachtstraditionen, persönliche Steckbriefe oder kurze Berichte über ihre Ferien aus. So konnten erste sprachliche und kulturelle Brücken geschlagen werden, bevor man sich schließlich persönlich begegnete.
Gemeinsamer Start und Kennenlernen
Am Montag, 16. März, trafen die Gruppen in Niederbronn-les-Bains ein – die Deutschen mit dem Bus aus Regenstauf, chauffiert von Busfahrer Josef, die Franzosen mit dem Zug. In der Jugendherberge „Internationale Begegnungsstätte Albert Schweitzer“, die direkt an eine deutsche Kriegsgräberstätte angrenzt und auf bilinguale Aktivitäten spezialisiert ist, fand bei Kennenlernspielen und beim gemeinsamen Abendessen ein erster Austausch statt.
Europa erleben in Straßburg
Der Dienstag führte uns nach Straßburg, wo die Schülerinnen und Schüler zunächst eine Führung durch das Europaparlament erhielten. Im Anschluss daran wurde in deutsch-französischen Kleingruppen die bereits frühlingshaft erblühte Stadt erkundet. Ein abendlicher Spaziergang über die Rheinbrücke nach Kehl machte die geografische und kulturelle Verbindung zwischen beiden Ländern besonders greifbar.
Auf Entdeckungstour in Freiburg
Am Mittwoch stand ein Ausflug nach Freiburg im Breisgau auf dem Programm. Hier übernahmen die deutschen Jugendlichen die Rolle der Gastgeber und führten ihre französischen Partner im Rahmen einer selbst organisierten Stadtrallye durch die Stadt. Neben Sehenswürdigkeiten sorgten auch kulinarische Eindrücke für Begeisterung: Brezen und die typische Freiburger Wurst „lange Rote“ wurden neugierig probiert.
Kreativität kennt keine Sprachbarrieren
Ein besonderer Schwerpunkt lag am Donnerstag auf der kreativen Zusammenarbeit. Beim „Pairformance-Day“, organisiert von der Jugendherberge, wurde mithilfe von bilingualen Sozialpädagogen an verschiedenen Projekten gearbeitet – von Hip-Hop über Land’Art bis hin zu Theater und Film. Die Ergebnisse wurden am Abend präsentiert, darunter ein Theaterstück über europäische Länder und ihre Beziehungen. Vor dem Abendessen mit elsässischem Flammkuchen aus dem Holzofen erfolgte ein gemeinsamer Besuch des nebenan gelegenen Soldatenfriedhofs, auf dem über 15 000 im zweiten Weltkrieg gefallene deutsche Soldaten ruhen – ein schockierender Einblick in die Geschichte, der den interkulturellen Austausch umso wichtiger erscheinen lässt.
Merci et au revoir
Am Freitag hieß es Abschied nehmen. Als Erinnerung überreichten die deutschen Schülerinnen und Schüler ihren französischen Bekannten kurz vor der Rückreise selbst gestaltete Lebkuchenherzen. Das Ziel, den Jugendlichen echte Kommunikationssituationen zu ermöglichen und die deutsch-französische Freundschaft erlebbar zu machen, war in dieser Woche auf vielfältige Weise erreicht worden. Möglich wurde diese bereichernde Begegnung erst durch die großzügige Unterstützung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge sowie des Deutsch-Französischen Jugendwerks. Auch zukünftig sollen gemeinsame Projekte den Kontakt zwischen den Jugendlichen aufrechterhalten.